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GWS #3: Hessische Bergstraße

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GWS #3: Hessische Bergstraße
Inhalt

Die Hessische Bergstraße zählt mit dem Mittelrhein zu den kleinsten deutschen Weinregionen. Weniger als 0,5 % des deutschen Weins stammen von hier. Sie bildet die nördliche Fortsetzung der Badischen Bergstraße und zieht sich durch die Ausläufer des Odenwalds am östlichen Rand der Rheinebene nach Norden, hält dabei jedoch einigen Abstand zum Rhein selbst.

Die Bergstraße geht auf eine römische Handelsroute zurück, die strata montana, zu Deutsch „Bergstraße“. Heute ist die Weinwirtschaft vor allem durch staatliche und kommunale Weingüter, kleine Erzeuger sowie zwei Genossenschaften geprägt, auf die rund 80 % der Produktion entfallen. Von den beiden Bereichen Starkenburg und Umstadt stellt ersterer den weitaus größten Teil der regionalen Erzeugung. Der Großteil des Weins wird vor Ort konsumiert, Exporte sind selten.

Auf das aufgrund seiner nördlichen Lage (auf den 49° Breitengrad) weitgehend kontinental gepräge Klima, üben feuchte, nach Osten ziehende Luftmassen und warme Luft aus der Rheinebene einen moderierenden Effekt aus. Zusammen mit dem Regenschatten des Odenwalds sorgen sie für warme Frühjahre und lange Herbste und schaffen damit ideale Bedingungen, um den in der Region dominierenden Riesling vollständig auszureifen.

Hessische Bergstraße in Zahlen

 Hessische Bergstrasse by the numbers

Ein kurzer historischer Überblick

  • 8. Jahrhundert: Früheste urkundliche Nachweise von Weinbergen: Bensheim (756), Heppenheim (773), Umstadt (985)
  • 14.–19. Jahrhundert: Der Weinbau expandiert unter der Herrschaft der Regenten und Bischöfe der Pfalz und von Mainz
  • 17. Jahrhundert: Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) führt zu einem Rückgang des Weinbaus, bedingt durch die daraus resultierende hohe Steuerlast, schlechte Ernten und die wachsende Beliebtheit von Bier
  • 19. Jahrhundert: 1803 wird die Bergstraße in einen nördlichen Abschnitt (Heppenheim bis Darmstadt) und einen südlichen Abschnitt (Laudenbach bis Heidelberg) geteilt
  • 21. Jahrhundert: 2005 wird die Reblaus erstmals an der Hessischen Bergstraße nachgewiesen; größere Schäden bleiben aus, da die meisten Reben bereits auf resistente Unterlagsreben gepfropft sind
  • Heute: Die Hessische Bergstrasse ein bedeutender Standort zur Rebenkultivierung sowie Erprobungsgebiet für PIWIs und wiederentdeckte historische Rebsorten

Prägende Rebsorten und Stilistik

Riesling ist die Leitrebsorte der Hessischen Bergstraße und nimmt rund 35 % der Rebfläche ein. Die Weine werden überwiegend trocken ausgebaut und verbinden reife Steinfrucht, Zitrusaromen und florale Noten mit lebendiger Säure. Dank des vergleichsweise warmen Klimas wirken die Rieslinge meist etwas runder und zugänglicher als jene aus kühleren Regionen wie der Mosel, bewahren dabei jedoch ihre Frische und einen ausgeprägten mineralischen Charakter, insbesondere auf Böden, die von Granit und Gneis geprägt sind.

Grauburgunder macht rund 13 % der Rebfläche aus und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Winzer bauen ihn typischerweise trocken, mittelkräftig bis körperreich und mit moderater Säure aus. Im Vordergrund stehen reife Birne, gelber Apfel und dezente nussige Noten. Eine sorgfältige Ertragsregulierung ermöglicht häufig Weine mit beachtlicher Konzentration, ohne dass Balance und Frische verloren gehen.

Weißburgunder gedeiht im milden Klima der Region besonders gut, unter anderem auf Lösslehmböden. Die Weine sind meist elegant und trocken, mit feinen Aromen von Apfel, Birne und weißen Blüten sowie einer dezenten, fein eingebundenen Säure. Viele Erzeuger setzen auf die Vergärung im Edelstahltank, um die Frische zu bewahren. Hochwertigere Exemplare werden teilweise auch in großen neutralen Holzfässern oder Barriques ausgebaut, um ihnen zusätzliche Textur zu verleihen, ohne die Frucht zu überdecken.

Obwohl er mit 11 % der gesamten Rebfläche zurzeit nur an dritter Stelle steht, gewinnt Spätburgunder zunehmend an Bedeutung, da das warme Klima eine zuverlässige Reife ermöglicht. Die Weine zeigen typischerweise klare Aromen von Kirsche, Himbeere und roter Johannisbeere, begleitet von moderaten Tanninen und frischer Säure. Stilistisch erinnern sie häufig eher an einen leichteren, eleganten burgundischen Stil als an besonders kraftvolle Interpretationen. Hochwertige Abfüllungen reifen häufig in französischer Eiche, was ihnen zusätzliche Komplexität verleiht, ohne die für die Rebsorte typische Finesse zu überdecken.

Die Hessische Bergstraße dient häufig als Erprobungsgebiet für die Einführung neuer oder die Wiederbelebung alter Rebsorten. Ein bekanntes Beispiel ist der Rote Riesling, der 1991 wieder in die Region eingeführt wurde, um die genetische Vielfalt zu erhalten. Die Rebsorte kann sowohl rosafarbene als auch weißschalige Beeren hervorbringen, wobei die stärkere Pigmentierung der rosafarbenen Beeren zusätzlichen Schutz vor Sonnenbrand bietet. Im Vergleich zum Riesling ist sie zudem weniger anfällig für Pilzkrankheiten.

Mit der Domäne Bergstraße gibt es in der Region nur ein einziges VDP-Weingut. Es darf folgende Weine als VDP.GROSSES GEWÄCHS (GG) erzeugen:

  • Riesling
  • Grauburgunder
  • Spätburgunder
  • Weißburgunder

Damit soll es das für diese Region auch schon gewesen sein. Natürlich ließe sich noch mehr über sie sagen, doch angesichts ihrer geringen Größe möchte ich diesen Beitrag bewusst kurz und auf den Punkt halten.

Lernkarte zur Wiederholung

 Hessische Bergstrasse overview