WEIN
German Wine Scholar

Der German Wine Scholar ist der jüngste Neuzugang im Angebot der länderspezifischen Zertifizierungen der Wine Scholar Guild. Gemeinsam mit dem French Wine Scholar, Italian Wine Scholar und Spanish Wine Scholar zählt er zu den fortgeschrittenen Programmen und setzt umfassende Kenntnisse über die Geografie und Geschichte des deutschen Weinbaus, relevante Gesetze und Vorschriften, Rebsorten, weinbauliche Praktiken und Produktionsmethoden voraus. Für mich ist das Programm angesichts meiner deutschen Herkunft besonders spannend, aber auch, weil es der zunehmenden Anerkennung für die bemerkenswerten Fortschritte Rechnung trägt, die deutscher Wein in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat.
Zugegeben, ich war nicht immer ein Freund deutscher Weine und tat anfangs mein Möglichstes, ihnen aus dem Weg zu gehen. Die Rieslinge, denen ich begegnete, waren häufig zu sauer oder zu karg; Müller-Thurgau und Portugieser waren zwar trinkbar, aber oberflächlich und wenig aufregend; und Restaurants bevorzugten, zumindest in gewöhnlichen Kleinstadtlokalen, oftmals halbtrockene oder liebliche Weine. Diese Weinstile waren sehr beliebt, da sie ähnlich wie zum Beispiel italienischer Primitivo relativ sanft, bekömmlich und unkompliziert sind, dadurch jedoch häufig Komplexität und Finesse fehlen. Zudem harmonierten sie oft nur mäßig mit der traditionell deftigen deutschen Küche, etwa Schnitzel oder Braten.
Bei Schaumwein gab es seit jeher eine große Auswahl, doch Sekt blieb gewöhnlich besonderen Anlässen vorbehalten, jedoch eher aus Konvention als aus echter Begeisterung. Denn Sekt war zwar leicht zu finden, doch zumeist handelte es sich um preisgünstigen, in großen Mengen im Tankverfahren produzierte Massenware, mit stechender Säure, ohne genügend Körper oder Komplexität, um für Balance zu sorgen, und bisweilen mit einer recht aggressiven Perlage. Wer hochwertigen Schaumwein trinken wollte, griff eher zu Crémant oder Champagner als zu Winzersekt.
Dieses Bild hat sich in den vergangenen 30 Jahren grundlegend gewandelt. Immer mehr Erzeuger setzen auf trockene, lagenbezogene Weine, präzisere Arbeit im Weinberg und eine ambitionierte Schaumweinproduktion, häufig verbunden mit einer deutlich stärkeren Betonung von Herkunft und Terroir. Manche Weingüter erkunden die Möglichkeiten, die sich aus wärmeren Anbaubedingungen ergeben, während Produzenten andernorts mit Hitze, Trockenheit und zunehmend unberechenbarem Wetter kämpfen. Wieder andere experimentieren mit internationalen Rebsorten oder pilzwiderstandsfähigen Sorten, den sogenannten PIWIs. Gleichzeitig haben zahlreiche Winzer und Erzeugerverbände strengere Standards für Weinbau, Produktion und Klassifikation eingeführt. Das Ergebnis ist eine wachsende Zahl wirklich spektakulärer Weine.
Da ich mich derzeit selbst auf die Prüfung vorbereite und bislang nur relativ wenige unabhängige Informationen über das Programm verfügbar sind, dachte ich, ein kurzer Überblick könnte hilfreich sein und anderen vielleicht bei der Entscheidung helfen, ob sich diese Zertifizierung auch für sie lohnt.
Kursinhalte und Aufbau
Im Großen und Ganzen folgt der Kurs derselben Struktur wie die übrigen Programme der Wine Scholar Guild. Er beginnt mit einem Kapitel zu den Grundlagen, das sich mit der Geschichte und Geografie Deutschlands, den wichtigsten Rebsorten, weinbaulichen Praktiken, der Weinherstellung und natürlich dem deutschen Weinrecht befasst. Sobald dieses Fundament gelegt ist, widmen sich die übrigen Kapitel den 13 anerkannten deutschen Anbaugebieten:
- Mosel
- Ahr
- Mittelrhein
- Rheingau
- Rheinhessen
- Nahe
- Pfalz
- Baden
- Hessische Bergstraße
- Württemberg
- Franken
- Saale-Unstrut
- Sachsen
Für jedes dieser Gebiete lernst du die Weinbaugeschichte, Lage und Klima, Geologie und Böden, die wichtigsten Rebsorten, Anbaumethoden und Traditionen der Weinherstellung kennen. Anschließend geht es um die jeweiligen Bereiche, Dörfer und bedeutenden Weinlagen.
Deutschland nimmt in dieser Hinsicht eine gewisse Sonderstellung ein. Zwar fügt sich deutscher Wein in den europäischen Rechtsrahmen für geschützte Ursprungsbezeichnungen (g.U.) und geschützte geografische Angaben (g.g.A.) ein, doch das deutsche Weinrecht legt darüber eine besonders komplexe Hierarchie aus Anbaugebieten, Bereichen, Großlagen, Dörfern, Einzellagen und, auf der kleinteiligsten Ebene, registrierten Parzellen, den sogenannten Gewannen.
Das deutsche Weinrecht lässt kaum eine Gelegenheit aus, einen weiteren geografischen Begriff einzuführen, doch dahinter steht eine klare Logik: Je präziser die Herkunft definiert ist, desto größer kann ihre Bedeutung sein. Deutsche Etiketten kombinieren zudem häufig die adjektivische Form eines Ortsnamens mit dem Namen einer einzelnen Weinlage, etwa bei Bernkasteler Doctor. Das kann zunächst verwirrend wirken, bis man mit der zugrunde liegenden Struktur vertraut ist. Zusätzlich erschwert wird die Sache durch das Nebeneinander des gesetzlichen Weinrechts und privater Klassifikationssysteme wie jenem des VDP.
Prüfungsformat
Die Prüfung kann über einen anerkannten Kursanbieter oder online unter Fernaufsicht abgelegt werden. Für Online-Kandidaten nutzt die Wine Scholar Guild Honorlock. Dadurch ist es möglich die Prüfung von zu Hause aus zu absolvieren, ohne vorab einen Termin vereinbaren zu müssen.
Nach der Anmeldung zum German-Wine-Scholar-Kurs hat man ab dem Registrierungsdatum ein Jahr lang Zugriff auf die Online-Materialien und muss innerhalb dieses Zeitraums die Prüfung ablegen. Das Ablaufdatum der Kursteilnahme wird im Menü auf der rechten Seite des virtuellen Kursraums angezeigt.
Wie die übrigen Prüfungen der Wine Scholar Guild besteht auch dieser Test aus 100 Multiple-Choice-Fragen und muss innerhalb von 60 Minuten abgeschlossen werden. Für jede Frage stehen vier mögliche Antworten zur Auswahl, von denen nur eine richtig ist. Zum Bestehen benötigst du 75 Punkte. Kandidaten mit 85 bis 90 Punkten erhalten die Auszeichnung Honors, bei 91 bis 100 Punkten wird Highest Honors vergeben. Dozenten, die eine Akkreditierung erhalten möchten, um das Programm selbst unterrichten zu dürfen, müssen mindestens 85 Punkte erreichen.
Obwohl ich mich noch durch die Unterlagen arbeite, ist mein bisheriger Eindruck ausgesprochen positiv. Sowohl das Online-Portal als auch das E-Book sind übersichtlich aufgebaut und vermitteln gemeinsam ein umfassendes Bild der heutigen deutschen Weinlandschaft.
Ganz gleich, ob du Riesling liebst oder einfach Lust hast, weniger bekannte regionale Spezialitäten wie Badisch Rotgold, Elbling oder Trollinger sowie unverkennbar deutsche Ausprägungen internationaler Rebsorten wie Pinot Noir (Spätburgunder) zu entdecken: Dieser Kurs bietet einen guten und zugleich tiefgreifenden Eintritt in die Welt des deutschen Weins .